Handschuhe

Von und Zu

Mitte des neunzehnten Jahrhunderts erschien das Neue Preussisches Adels-Lexicon„. Es wurde „bearbeitet von einem Vereine von Gelehrten und Freunden der vaterländischen Geschichte unter dem Vorstande des Freiherrn L. v. Zedlitz-Neukirch“ Ein Verein, der es sich zur Mammutaufgabe gemacht hatte den kompletten preußischen Adelsstand inklusive Niederem und Bauernadel, der offenbar in die Tausende ging, zu katalogisieren. Das Werk umfasst 4 Bände plus einen Ergänzungsband.

Auf Seite 176 des Ergänzungsbands findet sich auch unser Name. Allerdings in sofern, daß Vorfahren von uns mit dem Versuch, den Adelstitel zu „erneuern“ bereits ein halbes Jahrhundert zuvor gescheitert sind. Punkt. Ohne Angabe von Gründen. Pech gehabt. Ein Adelstitel muß damals ein größerer Karrierebooster gewesen sein, als ein Doktortitel für heutige Berufspolitiker. Hier der Text:

„Gellern die Herren von

Gabriel und Samuel v. G. Herren auf Blumenstein bei Marienburg suchten im Jahre 1778 um die Erneuerung ihres Adels an Wir finden aber keine Nachricht dass ihnen ihr Ansuchen gewährt worden sei Sie stützten dasselbe vorzüglich darauf dass Johann v. G. zu Danzig dessen Epitavium daselbst vorhanden ist und Heinrich v. G. der in frühern Zeiten das Rittergut Lissau im Marienburger Werder besass ihre Verfahren waren“

(ein Epitavium, oder Epitaph ist ein Grabstein.)

Das deckt sich mit der Tatsache, daß Peter von Gellern, um 1730 geboren, der letzte Gellern war, der ein „von“ im Namen trug. Es ist ohnehin fraglich, ob bei dem nordwestdeutschen Teil der Familie überhaupt eine legitime adlige Herkunft vorlag. Denn besonders in Norddeutschland war es üblich, daß Personen ein „von“ in ihrem Namen führten, das allein auf den Herkunftsort hindeutete.

Wir können bis heute außerdem nicht hundertprozentig festlegen, wie die westpreußische Familie Gellern mit dem nordwestdeutschen Teil der Familie zusammenhing. Ihre Nachkommen verschwanden im Lauf der letzten 250 Jahre.

In unserer Famile wird übrigens mündlich kolportiert, daß der, eben erwähnte Peter von Gellern, den Namenszusatz „von“ banalerweise einfach streichen ließ, weil er sich selbst, als späterer Dorfschullehrer als schlechterdings zu gering für diesen Titel einschätzte. Wer weiß?!

Im angelsächsischen Raum, Großbritannien und in Übersee traten übrigens noch bis ins späte neunzehnte Jahrhundert „von“ Gellern in Erscheinung.

Rainer Gellern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *