Ansicht_Vlotho_um_1850

Holzhändler

Bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert war es üblich, den Oberlauf größerer Flüsse zum Transport von Bauholz zu verwenden. Das galt auch für die Weser, die seit 1759 Siedlungsgebiet des westlichen Zweiges der Familie Gellern war.

In den, mit Buchen und Eichen dicht bewaldeten Hügeln des Weserberglands, wurden dabei zunächst Bäume geschlagen, entrindet, getrocknet (Laubholz hat ein hohes spezifisches Gewicht), oder sogar schon zu Balken, Bohlen und Brettern verarbeitet. Anschließend wurde dieses Holz mit Seilen zu großen Flößen verbunden. Damit dieses, relativ schwere Floß nicht zu viel Tiefgang bekam, wurde die Schwimmfähigkeit noch durch Holzfässer verbessert. Diese Form des Floßes nannte sich Tonnentragfloß. Dann ließ man diese Flöße treiben und korrigierte bei Bedarf die Richtung. Diese Tätigkeit übernahm der Flößer. Er fuhr auf dem Floß mit, löste verkeilte Stämme mit Haken und schlief sogar häufig nachts in einem Zelt auf dem Floß

In der dichter besiedelten und verkehrstechnisch besser erschlossenen Gegend rund um Minden, wurde das Holz dann in sogenannten Holzhäfen angelandet und in großen Sägewerken industriell weiterverarbeitet.

So auch in der kleinen Stadt Vlotho südwestlich der Porta Westfalica bei Minden. Hier bestand seit 1806 die Holzhandlung Sievert, in die einer unserer Vorfahren im Oktober 1864 einheiratete.

Dabei handelte es sich um den 1838 geborenen, Carl Heinrich Gellern, der sich nach seiner Entlassung aus dem Militär in Vlotho, Kreis Herford niederließ. Carl Heinrich war Sohn des Gerichtsrats Franz Ferdinand Gellern.

Die Firma hieß fortan Sievert & Gellern, wurde später von seinem ältesten Sohn Karl Christian Gellern weitergeführt. Und ging um 1930 in die Insolvenz. Die Konkursmasse ging dann im Jahr 1934 in die Holzhandlung Sturhan über, die noch heute existiert.

Sophieklein

Das Foto zeigt die hübsche junge Sophie Sievert, Tochter des Holzhändlers Sievert aus Vlotho, mit etwa 25 Jahren.

 

1866klein

Dieses Foto zeigt den feschen Unteroffizier Carl Heinrich Gellern (hintere Reihe stehend, dritter von links) etwa zur Zeit des siebenwöchigen „Deutschen Kriegs“ von 1866. Im selben Jahr brachte er es noch zum Vizefeldwebel der 4. Kompanie des 2. Westfälischen Infanterie-Regimentes. Abtreten ohne Meldung!

Heute ist der Beruf des Flößers ausgestorben, es gibt keine Flößerei mehr auf der Weser und die Holzwirtschaft in Ostwestfalen hat an Bedeutung verloren. Bei den zahlreichen Möbel- und Küchenherstellern in Ostwestfalen kann man jedoch noch Wurzeln aus dieser großen Zeit des Holzhandels vermuten.

Rainer Gellern

Bei den Fotos handelt es sich übrigens um die ältesten Fotografien aus unserer Familie, bei dem Bild um eine Stadtansicht Vlothos aus dem Jahr 1850.

 

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