Brieffragment

Cliffhanger

Antwortbrief mit dem Briefkpopf der Geschäftsadresse eines Herrn Gellern aus Breslau aus dem Jahr 1920 an einen Herrn Gellern in Minden. Interessanterweise nimmt er Bezug auf einen gemeinsamen Vorfahren (Peter von Gellern) In den nachfolgenden 190 Jahren müssen die Informationen über ihn, seinen Bruder und seinen Vater jedoch auf der Strecke geblieben sein und man kann hier nachlesen, wie die beiden versuchen, ihre offenbar gemeinsame Abstammung zu klären. Um wen es sich bei Sender und Empfänger genau handelte ist wiederum in den 95 Jahren bis heute verloren gegangen.

Inhalt:

Vorderseite:

„Sehr geehrter Herr Gellern!

Für Ihre freundlichen Zeilen meinen
besten Dank. Meine Vorfahren waren urkundlich etwa um 1550 in der Gegend von Celle Prov. Hannover zuerst erwähnt.
Die ältesten zwei Generationen werden in Urkunden (Pachtbriefen u.s.w.) als von G. bezeichnet, seit etwa 1635 in den Kirchenbüchern aber ohne „von“. Der Großvater meines Großvaters geb. 1732 nennt sich von G., wird auch in Militärpapieren, Aufstallungspatenten ebenfalls so bezeichnet. Dessen Sohn wird in Civilurkunden ebenfalls von G. in Militärpapieren ( Offizierspatenten ) aber nur G.“

Rückseite:

„Seit etwa 1806 schreiben wir uns wieder ohne von. Ueber den Verbleib eines älteren Bruders meines im Jahre 1732 geb. Vorfahren Johann Heinrich geb. 1730 haben wir keine Kunde, er ist von Lachendorf, Kreis Celle verzogen. Vielleicht nach Westpreussen??? Es wäre interessant, wenn Sie in den zuständigen Kirchenbüchern nach weiteren – älteren Vorfahren forschen lassen würden, die Herren Pastoren geben meistens bereitwilligst Auskunft. Bei Nachforschungen nach unseren Vorfahren haben wir auch Personen unseres Namens in der Danziger Gegend entdeckt. 1536 flieht ein unebenbürtiger Sohn Karl aus einer morganatischen Ehe, der….. Karl von Geldern, nach Danzig er war Zwiglianer und wurde seines Glaubens wegen verfolgt; er kaufte in der Gegend ein Gut, wird 1548 Kriegs-„

Nach dem Prinzip, daß man aufhören soll, wenns am schönsten ist, endet hier der Text. Erstklassiger Cliffhanger. An Dramatik kaum zu überbieten. Alles in Allem steht dieses Papier in einer langen Reihe von Versuchen, einen Zusammenhang zwischen unserer Familie und den letzten Herzögen von Geldern herzustellen, vielleicht ist er sogar der Auslöser dieser Spekulationen, die bis in die heutige Zeit anhalten. (Möglicherweise fehlt auch deswegen die Fortsetzung des Briefes, weil der Inhalt zu ernüchternd für den Empfänger war.) Aber glücklicherweise ist die Wahrheit schon auf der ersten Seite zu finden. Hier wird bereits im zweiten Satz beschrieben, daß unser Ahnherr um 1550 herum einen Gutshof am Südrand der Lüneburger Heide pachtete. Dabei handelte es sich, wie wir heute wissen um Arendt von Geldern, geboren ca. 1525, der  dort sieben, ebenfalls verbürgte Kinder groß zieht.

Bei dem Nachfahren Karl van Egmonds aus einer „morganatischen Ehe“ handelt es sich dagegen um  Karl de Oude, Bastard von Geldern. (*ca. 1508, †1568), 1529-35 Statthalter von Groningen, 1539 Herr von Caldenhoven in der Veluwe. Er floh tatsächlich als Zwinglianer in die Gegend von Danzig (Gut Reichenberg). Und so geht die Notiz unseres Vorfahren weiter: …1548 Kriegs-„hauptmann der Stadt Danzig. Erste Heirat 1545 mit Elisabeth Buning. Zweite Heirat 5. Juni 1565 mit Maximiliana von der Marck und Arenberg, Bastardtochter von Graf Robert III. von der Marck und Arenberg (†1544). (Nachkommen).“

Karl de Oude (Bastard) von Geldern ist demnach als unser direkter Ahnherr auszuschließen.

Allerdings eröffnet der Brief auch zwei weitere Spuren,

Zum Einen ein Absiedeln unserer Vorfahren  zu Beginn des Zeitalters der Reformation aus religösen Gründen. Quasi weg „von“ Geldern, das 1548 an den katholischen Habsburger KarlV fiel. Doch davon später.

Zum Anderen, daß Johann Heinrich von Gellern, geb. 1730 und älterer Bruder Peter von Gellerns, der potenzielle Vorfahr des westpreußischen Zweigs unserer Famile war.

Zwei astreine Cliffhanger! 🙂

Quellen:

Ralf G. Jahn, Die Genealogie der Vögte, Grafen und Herzöge von Geldern, Veröffentlicht u.A. in „Gelre, Geldern, Gelderland, Geschichte und Kultur des Herzogtums Geldern“

Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste

Rainer Gellern

Hier der handschriftliche Brief:

Brief1

Brief2

PS: Bei der durchgestrichenen Adresse im Briefkopf handelt es sich um die ehemalige Wohn-, bzw. Geschäftsadresse des Kaufmanns Fritz Gellern aus Breslau.

1915

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