Ziegel

Der Wanderziegler

Nein, der Wanderziegler, oder auch wandernde Ziegelbrenner ist keine einheimische Vogelart. Vielmehr handelte es sich um einen Handwerker, der auf die Herstellung sogenannter Feldbranntziegel spezialisiert war. Die dabei errichteten Feldbranntöfen verblieben jeweils so lange an einem Ort, bis der lokal vorhandende Ton abgebaut (ausgeziegelt) war. Da im Raum Norddeutschland sowie den Niederlanden so gut wie kein abbaubarer Werkstein, wie beispielsweise Sandstein zur Verfügung stand, konnten solide Häuser nur aus diesen Ziegeln errichtet werden. Und mit dem Begriff Backsteingotik definierte sich sogar der Baustil einer ganzen Epoche über diesen Werkstoff.

Es ist in unserer Familie mündlich überliefert, daß es sich bei dem Vater des  ältesten, namentlich bekannten Vorfahren Arendt von Geldern der sich vor1550 in dem Ort Lachendorf bei Celle, dem Einflußbereich der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, niederließ, um einen dieser wandernden Ziegelbrenner gehandelt haben soll. Ein Vorname ist ihm leider nicht mehr zuzuordnen, aber der Nachname von Geldern läßt auf eine Herkunft aus dem Gelderland schließen.

Die Nachfahren des Ziegelbrenners brachten es innerhalb von zwei Generationen zu Vollhöfnern, betrieben aber weiterhin noch die Herstellung von Ziegeln. So findet sich in Lachendorf auch heute noch der Ortsteil „Ziegelei“ (Verglichen damit ist Uhlenbusch Lower Eastside)

Außerdem liegt  im Archiv der Amtsvogtei Beedenbostel
eine Gerichtsakte aus dem Jahr 1642, in der ein „Melchior Stolte, Ziegelmeister zu Wohlenrode gegen Jürgen Gellern, Sohn des gewesenen Ziegelmeisters Joachim Gellern wegen einer streitigen Wiese“ klagt.

Die Vornamen Jürgen (*1550 , übrigens der erster Vollhöfner, also Großbauer) und Joachim (*1554) tauchten schon im Testament ihrer jüngsten Schwester Ursula als Söhne Arendts von Geldern auf und setzten sich in jahrhundertelanger Tradition mit  Hans Joachim Gellern (*1910) und Jürgen Gellern(*1939) bis ins zwanzigste Jahrhundert fort

Rainer Gellern

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