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Das Imperium

Vor dem ersten Weltkrieg schufen die sieben Kinder des Holzhändlers Carl Heinrich Gellern und seiner Frau Sophie aus Vlotho an der Weser ein  archetypisches, gründerzeitliches Familienunternehmen.

Während der älteste Sohn den elterlichen Betrieb übernahm, heiratete seine Schwester Sophie den Bremer Kaufmann Bernhard Schwitters. Er war Prokurist in der Firma Katenkamp und Fuhrmann, die im Tabaks- und Kommisionsgeschäft tätig war. Heute würde man sagen Import/Export. Gemeinsam mit seiner Mutter bewohnten sie das Haus Humboldtstraße 33 im Bremer Steintorviertel. Ein bürgerliches Stadthaus mit hohen Decken, Dienstboteneingang und Mansardenwohnung. Es war bis in die 1990er Jahre im Familienbesitz.

Schwitters1

Schwitters

Der Bruder Friedrich (Fritz) eröffnete in Breslau (heute Wrocław)  ein Sämereiengeschäft mit Filialen in Posen (Poznań) und Schwersenz (Swarzędz) und heiratete in Breslau ein Anna Katharina Wamser.

Der jüngere Bruder Hans führte ebenfalls in Breslau eine Tabakschneiderei.

1915

Und der jüngste Bruder Wilhelm Hans, ein studierter Agraringenieur, heirate 1912 Charlotte, die Tochter des Sämereienhändlers Arnold Reuter aus Minden an der Weser. Strategisch perfekt gelegen an der Bahnlinie zwischen Bremen und den Geschäftsadressen im heutigen Polen.

Und so lief das Geschäft: Bernhard Schwitters kaufte in Bremen im großen Maßstab Tabak und Sämereien aus Übersee an und verfrachtete ganze Eisenbahnwagons davon nach Minden, Posen, Schwersenz und Breslau, wo die Ware über die Geschäfte der Brüder weiterverkauft, bzw. verarbeitet wurde.

Über meinen Urgroßvater Wilhelm Hans ist verbürgt, daß er mit seiner Frau Charlotte in einem Horch-Automobil mit Kulissenschaltung zwischen den Filialen hin und her pendelte und aushalf. Obwohl durch und durch Ostwestfalen, hatten seine Kinder daher später die Geburtsorte Schwersenz und Breslau im Pass stehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Von diesem Firmenimperium ist nicht viel übrig geblieben. Die Familie zog sich bereits vor dem ersten Weltkrieg wieder nach Westen (Berlin und Minden) zurück, weil das (Geschäfts-)Klima zwischen Deutschen und Polen langsam unerfreulich wurde.

Den Rest fraßen Kriegsanleihen und die Inflation in den Dreißigerjahren.

Mein Vater berichtete mir, das Wilhelm Hans Gellern die Toilette seines Ladenlokals von innen mit Pfandbriefen, Kriegsanleihen und Notgeld tapeziert hatte und vor dem Toilettengang schon mal süffisant ankündigte: „Ich jeh dann mal in mein Milljardenjrab!“

„Mach die Augen zu und was du dann siehst gehört dir!“

Rainer Gellern

MercedesNein, das ist kein Szenenfoto aus Peter Bogdanovichs Meisterwerk Papermoon, das ist Carl-Christian Gellern in seinem AGA-Mobil. Der kleine Junge gehört nicht zur Familie, die Ohren sind zu groß.

Titelsong aus Papermoon.

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