Grubenhelm

Dachs und Stöhr

Unter dem Namen dieser putzigen Tiere wurde in den letzten Jahren des zweiten Weltkriegs ein ganz und gar nicht putziges Projekt vorangetrieben. Nach der Zerstörung wichtiger Rüstungsbetriebe entschloss sich die NS-Regierung dazu, unter dem Begriff U-Verlagerungen, wichtige Schlüsselindustrien unter Tage zu verlegen. Dazu boten sich bereits bestehende Bergwerke natürlich besonders an. Diese Stollen wurden durch Zwangsarbeiter erweitert, die man in Konzentrationslagern im Umkreis einpferchte.

Oberhalb des kleinen Ortes Hausberge; wir erinnern uns: Carl Heinrich Gellern war hundert Jahre zuvor Bürgermeister dieses kleinen Ortes, oberhalb eben genau dieses Ortes erhebt sich der 235 Meter hohe Jakobsberg. In diesem westlichen Teil des Weserberglands wurde traditionell Eisenerz abgebaut. So auch im Jakobsberg. In unmittelbarer Nähe kann man sich auch heute noch in einem Besucherbergwerk ein Bild von diesem Bergbau machen.

Und unter den beiden Tiernamen wurde  nun während des Krieges an diesem Ort eine ganze Raffinerie in den Berg verlegt. Ermöglicht durch die Gefangenen dreier, in der Umgebung errichteter Konzentrationslager.

Was eine richtige Fabrik war, besaß natürlich auch eine Telefonzentrale. Und so kam es, das die Ururenkelin des Bürgermeisters von Hausberge in dessen sogenannten Kanton als „Fräulein vom Amt“ in einem ehemaliges Bergwerk und späterem (riesigen) Bunker der Wehrmacht arbeitete.

Dieser Posten brachte ihr während der Entnazifizierung ein Verfahren der britischen Besatzungsmacht ein. Als Sühne musste sie öffentliche Gebäude putzen und lernte dabei ihren späteren Mann, einen griechischen Rechtsanwalt kennen, der als Freiwilliger in der britischen Armee diente und angeblich gerade Wache schob, als Großtante Annemarie zum Putzen kam. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Bunker wurde übrigens nach dem Krieg gesprengt, was der Westflanke des Jakobsbergs ihr heutiges Aussehen verlieh.

Kurz noch was zur Vergabe der Decknamen: Schachtanlagen und Tiefstollen erhielten Tiernamen, Stollenanlagen Fischnamen. So einfach war das. Warum man in Berlin ausgerechnet diese zwei phlegmatischen, beziehungsweise ziemlich rudimentären und urtümlichen Viecher mit Ostwestfalen assozierte bleibt unklar, klingt aber unterschwellig irgendwie auch wieder plausibel 😉

Rainer Gellern

Porta

Links der Jakobsberg, rechts die kleine Ortschaft Hausberge, im Vordergrund die Weser.

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Maschinenhalle Dachs1, Foto von Jochen Bergmann, (CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5924799)

Video: Höhlenkletterer fahren in die ehemalige Bunkeranlage ein.

 

 

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