Namensforschung

Der Name Gellern taucht das erste Mal im frühen sechzehnten Jahrhundert in den Kirchenbüchern der kleinen, nordwestdeutschen Gemeinde Lachendorf bei Celle auf. Interessanterweise noch mit dem Titel „von“ vor dem Namen, beziehungsweise, noch in einer älteren Schreibweise als „Geldern“, also „von Geldern“ geschrieben. Diese Schreibweise verschwindet später vollends, wird zu „von Gellern“ und später schlicht zu Gellern. Wir können also davon ausgehen daß der Ursprung unseres Familiennamens auf einen, oder mehrere, schriftliche Übertragungsfehler aus dieser Zeit zurückzuführen ist.

Onomastisch deutet der Name von Geldern auf die, am Niederrhein gelegene Stadt Geldern hin. Bis zum Anfang des sechzehnten Jahrhunderts hatte sich Geldern zu einem wohlhabenden und kulturell hoch entwickelten Herzogtum entwickelt, das jedoch 1543 an Kaiser Karl V fiel. Möglicherweise der Grund für den Exodus unserer Vorfahren vom Rhein ins heutige Niedersachsen.

Was ist ein Kanton-Maire?

1807 bis 1813 installierte Napoleon Bonaparte  das Königreich Westphalen (mit „ph“ und nicht mit „f“ wie die Landschaft, oder das gleichnamige Fußballstadion) und gliederte es in Verwaltungseinheiten, die sogenannten Distrikte, die sich ihrerseits in Kantone unterteilten.

In einem dieser Distrikte, dem Distrikt Rinteln in der Verwaltungseinheit Leine,  lag, etwa fünf Kilometer südöstlich von Minden an der Weser, der Kanton Hausberge.  Er zählte 6627 Einwohner und umfasste 2,67 Quadratmeilen. (Da hat uns dieser Korse dankenswerterweise den Kilometer gebracht, aber ausgerechnet hier wird das Flächenmaß in Meilen angegeben. Paradox!)

Im Jahr 1810 übte Carl Heinrich Gellern einer unserer direkten Vorfahren die Funktion des Kanton-Maire im Kanton Hausberge aus.

Kanton-Maire übersetzt man also vermutlich am Besten mit einem Kreisbürgermeister. Wieder was gelernt! 😉

Aus dieser Zeit ist übrigens eine kleine Büste erhalten geblieben, die Jürgen Gellern freundlicherweise fotografiert hat (siehe oben)

Rainer Gellern.

Aux Armes Et Caetera

Von und Zu

Mitte des neunzehnten Jahrhunderts erschien das Neue Preussisches Adels-Lexicon„. Es wurde „bearbeitet von einem Vereine von Gelehrten und Freunden der vaterländischen Geschichte unter dem Vorstande des Freiherrn L. v. Zedlitz-Neukirch“ Ein Verein, der es sich zur Mammutaufgabe gemacht hatte den kompletten preußischen Adelsstand inklusive Niederem und Bauernadel, der offenbar in die Tausende ging, zu katalogisieren. Das Werk umfasst 4 Bände plus einen Ergänzungsband. Continue reading Von und Zu

Tote Äste

Königsdisziplin und Fernziel dieser Familienforschung ist das Erstellen eines Stammbaums. Mindestens genau so schwierig, wie das Knüpfen korrekter Verwandtschaftsbeziehungen, ist dabei die Rekonstruktion der Zweige der Familie, die irgendwann ohne (männliche) Nachkommen blieben, buchstäblich (aus-)starben und verschwanden. Quasi tote Äste, um im Bild des Stammbaums zu bleiben. Spuren tauchen bis heute auf und man verzettelt sich mir-nichts-dir-nichts, wenn man versucht ihnen nachzugehen.

Das wären bei uns zum Beispiel:

Gellern in Übersee. Es gab einige, auch verbürgte Eheschließungen und beispielsweise Einträge im Zensus von 1910.

Gellern in Marienwerder, Westpreußen, dem heutigen Kwidzyn. Dieser Teil der Familie scheiterte übrigens im ausgehenden achtzehnten Jahrhundert mit dem Versuch, den Adelstitel erneuern zu lassen. Interessanterweise sind Celle (Der historische Ort unseres Stammsitzes) und ausgerechnet Kwidzyn heute Partnerstädte. Zufall, oder gab es historische Verbindungen?

Gellern im Lipperland. Einträge in Archiven sind da, Flurnamen und eine Inschrift auf einem Torbogen ebenfalls. Aber dann: Feierabend.

Sterberegister zeugen dabei übrigens oftmals von längst vergessenen Krankheiten. Blattern zum Beispiel.

Rainer Gellern

Torbogen in Detmold

In Ortsteil Heidenoldenburg der ostwestfälisches Stadt Detmold befindet sich ein historischer Torbogen aus dem achtzehnten Jahrhundert mit der Inschrift:

„ICH BIN JUNG GEWESEN UND ALT WORDEN UND HABE NOCH NIE GESEHEN DEIN GERTEN VERLASSEN ODER SEINEN SAAMEN NACH BROT GEHEN ER IST ALLE ZEIT BARMHERZIG UND LEIHET GERN UND SEIN SAAME WIRD GESEGNET SEIN LAS VOM BOSEN UND THUE GUTS UND BLEIBE IMMERDAR . P . S . M . 37 . CHRISTSTOFFEL WIND UND ANNA MARIA LISABET GELLERN HABEN DIS HAUSS LASSEN BAUEN ANNO 1734 D 29 IUNIUS

MEISTER KORDT HENRICH KROHME“

Quelle: Hans-Christian Schall – Dr. Nicolas Rügge, Hausinschriften in Heidenoldendorf

Bislang war in Vergessenheit geraten, daß im Kreis Detmold wohl mehrere Vorfahren der Familie  Gellern gelebt haben müssen. So gibt es im Orteil Pivitsheide sogar eine kleine Straße mit dem Namen Gellernweg.

Gellernweg

Ich hätte es ja beinahe abgeschraubt!

Rainer Gellern

 

Carl Heinrich Gellern

Carl Heinrich Gellern war der Sohn von Peter von Gellern und bereits bürgerlich. Er diente bis 1794 als Feldwebel im „Schladenschen Regiment zu Fuß“. Dabei handelte es sich um ein altpreußisches Infanterieregiment, das den Namen dem preußischen Generalleutnant Carl Friedrich Gottlieb von Schladen verdankte, und seit 1755 in Minden an der Weser stationiert war.

1794 erhielt er sein  Patent als Seconde-Leutnant und bekam 1806, das Regiment trug inzwischen den Namen Lettow und die Nr.41, durch Kapitulation vor Napoleon, seine Entlasspapiere und das Patent als Captain (Hauptmann).

Anschließend wurde er, noch unter napoleonischer Herrrschaft Kanton-Maire des Örtchens Hausberge, östlich der Porta Westfalica bei Minden. Später, in preußischer Zeit übernam er die Funktion eines „Amtmanns“.

Er ließ sich, obwohl  „nach seiner imponirenden  Gestalt und seinem gesunden Aussehen ein kräftiger Greis zu nennen“, im Alter frühzeitig pensionieren und starb am 27.03.1837 während eines Gottesdienstes an einem Schlaganfall.
Oben: Pokal anlässlich seines 50 jährigen Dienstjubiläums
Rainer Gellern
Quellen:

Peter von Gellern

Peter von Gellern stellt das Bindeglied zwischen dem, auf einem Gutshof bei Celle lebenden Teil der Familie und der, später in und um Minden an der Weser lebenden, Familie Gellern dar. Um 1732 auf dem Gutshof in Lachendorf im Amt Beedenbostel bei Celle geboren, diente er bis zu seiner Dimission im Jahr 1763 als Soldat, unter anderem auch unter Georg  III von England. Es ist davon auszugehen, daß er am 1. August 1759 an der Schlacht bei Minden beteiligt war. Die Schlacht bei Minden war eine der wichtigsten Schlachten des siebenjährigen Krieges, durch deren Ausgang nicht nur Schlesien an die Preußen fiel, sondern auch die Machtverhältnisse zwischen England und Frankreich in Nordamerika grundlegend geklärt wurden.

Lehnsherren des Gutes der Familie von Gellern in Lachendorf bei Celle waren übrigens seit dem frühen sechzehnten Jahrhundert die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Dieses, auch Kurhannover genannte Herzogtum kämpfte in einer Koalition mit Großbritannien, Preußen und Hessen-Kassel in der Schlacht bei Minden gegen ein französisch-sächsisches Heer.

Peter von Gellern erhielt im Jahr 1763 seine Entlassungspapiere von Georg III, heiratete eine Catharina Maria Waltemathe, wurde Lehrer in dem kleinem Ort Todtenhausen, unweit des Schlachtfelds der Schlacht bei Minden (in der Karte oben rechts) und verstarb nach 1801. Sein Sohn Carl Heinrich Gellern kam  im Jahr 1767, acht Jahre nach der Schlacht bei Minden, ebenfalls in Todtenhausen  zur Welt.

Peter von Gellern ist der letzte, schriftlich verbürgte Gellern, der den Titel „von“ im Namen trug.

 

Das Foto zeigt Aaron Gellern (zweiter von links) während eines Reaanctments anlässlich der 250-Jahr-Feier der Schlacht bei Minden in historischer Uniform.

Rainer Gellern

Vorfahren • Geschwister • Nachkommen

Franz Ferdinand Gellern

Vermutlich der einflussreichste Vorfahr im neunzehnten Jahrhundert. Und einer der ersten bürgerlichen.

Franz Ferdinand Gellern (* 15. Januar 1800 in Hausberge; † 6. März 1879 in Minden) wurde als Sohn von Carl Heinrich Gellern und seiner Frau Christine Wilhelmine (geb. Klostermann) geboren. Er studierte Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1821 wurde er Mitglied des Corps Guestphalia Bonn. 1822 schloss er sich dem Corps Guestphalia Heidelberg an. Er war ab 1824 zunächst Assessor am Patrimonialgericht Petershagen, heiratete im Jahr 1833 Flora Elise Stammelbach und wurde später Kreisgerichtsrat in Minden. 1845 verlieh ihm Friedrich Wilhelm IV. den Titel eines Justizrats.

Gellern zog 1848 als Abgeordneter der Stadt Minden in die Preußische Nationalversammlung ein und schloss sich der Harkort Fraktionan.

Rainer Gellern

Vorfahren • Geschwister • Nachkommen